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Aufzucht
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Kaninchen
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Lebensweise

Entwicklung

Aufzucht

Auswilderung
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Aufzucht von Wildkaninchen, Zwergkaninchen
und sonstigen Hauskaninchen
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Erste Hilfe:
Als erstes müssen die gefundenen Tiere mit Flüssigkeit versorgt werden, besonders wenn sie bereits längere Zeit gehungert haben. Ein dehydriertes Tier kann keine Nahrung verdauen! Gut geeignet ist lauwarmer Fencheltee, der in den ersten Stunden eingeflößt wird. Sehr schwache Jungtiere müssen SOFORT zum Tierarzt gebracht werden, da eventuell die orale Gabe von Flüssigkeit nicht ausreicht. Der Tierarzt kann den Kleinen mittels Spritze Flüssigkeit zuführen, so dass sie sich schneller erholen.
Ebenso müssen ausgekühlte Jungtiere erst gewärmt werden, ehe eine Nahrungsgabe Sinn macht!

Die Ernährung:

Je jünger ein kleines Kaninchen seine Mutter verliert, desto geringer sind seine Chancen. Eine Chance gibt es aber immer, also nie die Hoffnung aufgeben! Auch neugeborene Kaninchen wurden mit Erfolg aufgezogen.
Die Kaninchenmilch ist extrem konzentrierte Kraftnahrung, da wilde Kaninchen ihre Jungen nur ein- bis zweimal am Tag säugen und die Setzröhre ansonsten zum Schutz gegen Feinde verschließen. Sofort nach der Geburt erhalten die Babies mit der sogenannten Kolostralmilch wichtige Schutzstoffe, die zu ersetzen unmöglich ist.
Sind die Kleinen wenigstens eine Woche lang von der eigenen Mutter gesäugt worden (besser zwei Wochen), hat eine Handaufzucht viel mehr Aussicht auf Erfolg.

Es gibt Aufzuchtflaschen im Handel, einige habe ich ausprobiert. Am empfehlenswertesten ist die Flasche von Gimpet, denn da liegt ein sehr spitzer Nuckel bei, der für die kleinen Mäulchen geeignet ist.
Inzwischen benutze ich nur noch Einwegspritzen (ohne Nadel...) á 1ml oder 2ml. Man kann mit ihnen besser dosieren - besonders wenn die Kleinen nicht freiwillig trinken, was sie anfangs nie tun. Sie sind leichter zu säubern und man kann sie alle zwei Tage gegen eine neue austauschen. Das erleichtert die wichtige Hygiene enorm.
Für das Trinken aus einer Flasche spricht, dass das Saugen die Kleinen zusätzlich trainiert und kräftigt. Eine Möglichkeit ist, erst Spritzen zu benutzen und später - wenn sie freiwillig trinken - auf die Flasche umzusteigen.

Als Aufzuchtmilch kann man sich vom Tierarzt oder im Zoohandel eine Katzenaufzuchtmilch wie z.B. die Katzenwelpenmilch von Gimpet besorgen (keinesfalls die Trinkmilch für erwachsene Katzen!!!). Das Pulver rührt man nach Anweisung an und mischt es mit 10%iger Kondensmilch 1:1 . Kaninchen brauchen nämlich fetthaltigere Milch als Katzen.
Hundemilch wird von Nagern und Kaninchen weitaus schlechter vertragen und sollte nicht verwendet werden.

Ich habe auch schon mit Erfolg "Humana Heilnahrung" für Menschensäuglinge benutzt - erhältlich in großen Drogerien und Apotheken (letztere haben Notdienste, wo man die Nahrung auch bekommen kann, wenn sonst nichts mehr offen hat!). Diese Nahrung wird übrigens nur von Tierbabies gut vertragen, sie ist nicht als Zwangsernährung bei erwachsenen kranken Tieren geeignet!

Das Pulver wird in heißes (sollte man ohnehin abkochen) Wasser eingerührt, dass es eine milchige Konsistenz bekommt. Keinesfalls darf es zu breiig werden, aber mit ein bißchen Übung gelingt es gut. (ungefähr 1 TL Pulver und 2 - 2,5 TL Wasser bzw. Tee)

Dieser Brei muß bei jeder Fütterung frisch zubereitet werden, es geht jedoch recht schnell und unkompliziert. Damit das Pulver nicht klumpt, fügt man zuerst nur wenig Wasser bei und rührt den Brei glatt. Dann gibt man soviel Wasser zu, dass eine flüssige Konsistenz entsteht. Anschließend wird 10%ige Kondensmilch ca. 1:1 (eher ein bißchen weniger) in die Milchmischung gegeben.

Bei sehr jungen Tieren sowie bei der Umstellung auf Ersatzmilch hat es sich bewährt, das Pulver mit Fencheltee anzurühren und zusätzlich ein paar Tropfen Sab Simplex hinzuzufügen. Das beugt gefährlichen Blähungen vor und hat keinerlei Nebenwirkungen.


Bitte macht keine Experimente mit irgendwelchen anderen Säuglingsnahrungen - Katzenwelpenmilch und Humana Heilnahrung sind die beiden Produkte, die sich 100fach bewährt haben!!! Bitte nehmt keine Sachen, die irgendwo grad noch rumstehen, ihr gefährdet damit das Leben dieser kleinen Wesen! Ich werde in Zukunft auch keine solchen Fragen mehr beantworten, denn ich habe es hier doch klar und deutlich aufgeschrieben, welche Produkte geeignet sind und wem das Besorgen zu aufwendig oder zu teuer ist, der sollte die Finger ganz von der Aufzucht lassen!

Achtung! Niemals Tierkindern normale Kuhmilch geben - sie führt aufgrund des Laktosegehaltes zu schwersten Durchfällen!
Ebenso niemals fertige Trinkmilch für erwachsene Katzen geben - die richtige Nahrung ist ein Pulver zum Anrühren! Diese Trinkmilch hat zwar weniger Laktose, aber zu wenig Nährstoffe. Es wäre so, als wöllte man ein Menschenbaby mit Erdbeershakes ernähren - ich hoffe, auf diese Idee kommt niemand.

Ebenso ungeeignet sind veraltete Rezepte, die immer noch im Umlauf sind und z.B. Quark, Eigelb, Haferbrei usw. beinhalten. Diese Rezepte waren früher mal die einzige Möglichkeit, kleine Tiere aufzuziehen - heutzutage gibt es jedoch geeignetere Milchmischungen.  
Im absoluten Notfall kann man sich bis zur Beschaffung geeigneter Nahrung mit Fencheltee und Kondensmilch 1:1 gemischt behelfen.
Und unbedingt Kondensmilch verwenden - keine Kaffeesahne! Das ist nicht das Gleiche, nur die Kondensmilch wurde so verarbeitet, dass ihr Laktosegehalt für Tierkinder bekömmlich ist. Alle anderen Milchprodukte können zu Durchfall führen.

Verabreicht bekommen die kleinen Kaninchen ihre Milch in leichter Rückenlage durch die Spritze direkt ins Mäulchen. Dabei muß man sehr vorsichtig vorgehen, damit die Kleinen sich nicht verschlucken oder Milch in die Nase gerät. Die Milch soll warm sein (ca. Körpertemperatur) - unbedingt vor dem Verabreichen auf dem eigenen Handrücken prüfen, dass sie nicht zu heiß ist! Die Schale oder Tasse mit der Milch kann man im Wasserbad warm halten - gleiches empfiehlt sich für die Spritze mit Milch während einer Fütterungspause.
Beim Füttern muß man sehr viel Geduld haben, da die Kleinen sich anfangs meist heftig gegen die Ersatzmilch sträuben. Eine dicke Lage Küchenkrepp sollte man ebenfalls in Reichweite haben, da viel Milch daneben geht und man das Baby möglichst trocken halten muß, um einer Auskühlung vorzubeugen.
Es empfiehlt sich, das Kleine in Küchenkrepp einzuwickeln oder ihm eine Lage unters Kinn zu klemmen, damit wenigstens der größte Teil der verkleckerten Milch aufgefangen wird.

Nach der Fütterung muß das Baby vorsichtig gesäubert werden.
Es ist durchaus wichtig, die Kleinen sofort nach der Fütterung möglichst gut zu säubern! Dazu nimmt man feuchte Küchentücher, dünnen Stoff, Wattestäbchen o.ä. Die Futterreste ruhig ordentlich feucht abwischen! Vorsichtig, aber gründlich! Anschließend trockentupfen und die Babys warm lagern.
Man sollte die Kleinen nicht baden, aber die Futterreste dürfen auch nicht antrocknen. Die Gefahr besteht sonst, dass das Fell heftig verklebt, später ausgeht und/oder sich die Haut entzündet.

Außerdem muß nun das Bäuchlein massiert werden. Dabei ebenfalls vorsichtig vorgehen und mit einem Finger in Richtung Po streicheln.
Der Geschlechtsbereich muß abschließend mit einem leicht feuchten Tuch abgetupft werden, damit das Baby Urin und Kot absetzen kann.

Achtung! Diese Anal-Genital-Massage darf keinesfalls vergessen werden, da sie das Ablecken durch die Mutter simuliert und die Kleinen sonst nicht richtig Kot und Urin absetzen können! Es drohen ansonsten massive Verdauungsbeschwerden und Vergiftung des Körpers durch angestauten Urin!
Diese Massage dauert im Durchschnitt wohl so 2 Minuten und manche Babies urinieren nur ein- oder zweimal am Tag und setzen Kot (der anfangs sehr klein und krümelig ist) in ihrem Nestchen ab. Die Massage regt das an, aber bitte keine halbe Stunde herum tupfen, nur weil mal kein Pippi kommt... Wenn man beobachtet, dass die Kleinen allein Urin absetzen (so um die 2. Woche herum), reicht eine kleine Bauchmassage um die Verdauung anzuregen.  

Bei den ersten Fütterungen kann man froh sein, wenn man ca. 1 ml ins Baby hinein bekommen hat und muß dem entsprechend oft füttern. Bei sehr kleinen Babies füttere ich alle 2-3 Stunden. Wenn sie mehr trinken, kann die Pause länger werden. Es ist auch Gefühlssache, zu erkennen, wann ein Baby genug zu sich genommen hat und wann es wieder hungrig ist. In der Regel wird man das ziemlich schnell lernen. Mit 14 Tagen trinken sie ca. 4 ml alle 3-4 Stunden (auf Wild- und Zwergkaninchen bezogen - größere Rassen entsprechend mehr).

Wenn das Baby ca. 3 Wochen alt ist (anfängt herum zu hüpfen), mische ich Karottenbrei (pur) aus Gläschen für Menschenbabies unter die Milchmischung. Ebenso kann man auch Apfel-Karotten-Vollkornbrei verwenden.  
Probeweise bietet man den Kleinen schon jetzt auch Haferflocken, eingeweichte Pellets, ungezuckerten Zwieback, Möhren, Äpfel und Heu an. Frisches Wasser muß jederzeit zur Verfügung stehen. Entweder verwendet man einen Wassernapf oder eine Nippeltränke, deren Benutzung die Kleinen allerdings erst lernen müssen und man also beobachten muss, ob sie es schaffen zu trinken (im Zweifelsfall zusätzlich Wasser im Napf anbieten).

Wenn ihr unsicher seid, ob das Jungtier bereits feste Nahrung annimmt, dann bietet sie ihm einfach probehalber an! Wenn das Kleine soweit ist, wird es die Nahrung annehmen - keinesfalls schadet man mit einem zu frühen Anbieten.
Nur muss man mit kleinen Mengen beginnen und langsam steigern.

Ab der 4. Woche essen die Kleinen bereits festes Futter und das Füttern mit der Milchmischung kann man auf 4 mal pro Tag reduzieren, bis sie es schließlich nicht mehr wollen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass häufig die Milch mit ca. 4 Wochen nicht mehr gern getrunken wird, aber nach ein paar Tagen der Appetit wieder zunimmt. Man sollte also die Milch trotzdem weiter anbieten. Mit 6 Wochen kann man die Fütterungen dann langsam einstellen. Viele Kaninchen trinken jedoch auch gern bis zur 8. Woche noch Milch und man sollte sie dann nicht zwangsweise entwöhnen.

Ab nun bildet gutes (schimmelfreies, trockenes, angenehm duftendes) Heu das Grundnahrungsmittel der Kaninchen. Es muss jederzeit frei zur Verfügung stehen.
Zusätzlich gibt man Möhren und Äpfel sowie je nach Verfügbarkeit frisches Gras, Kräuter (z.B. Löwenzahn), anderes Obst (Birne, Melone, kleine Stücke Banane) und Gemüse (Fenchelknollen, gekochte Kartoffeln, Salatgurke, Chicoreé, Paprika). Vermeiden muss man alle Kohlsorten, da sie Blähungen verursachen können und Treibhaus-Kopfsalat (zuviel Nitrat).
Meist unnötig ist die Gabe von Pellets und Körnerfutter, da dies nicht der natürlichen Ernährungsweise der Kaninchen entspricht und eine Ursache für Übergewicht und andere Erkrankungen darstellt. Lediglich Kaninchen, die im Winter draußen leben sowie trächtige und säugende Häsinnen, Tiere im Wachstum oder nach einer Erkrankung benötigen mehr Energie und ihnen kann man gute Sorten von Kraftfutter anbieten. Darin sollten wenig Körner, keine Sonnenblumenkerne und keine Erdnüsse, dafür gehäckselte Luzerne und getrocknete Kräuter und Gemüse enthalten sein.
Es gibt von der Firma JR Farm ein gutes Babyfutter, in dem auch Kräuter enthalten sind. Das kann man den Kleinen in der Wachstumsphase anbieten.

Trockenes Brot (niemals Weißbrot oder Brötchen) darf allenfalls ein Leckerbissen sein und eher selten verfüttert werden. Zum Abnutzen der Zähne sind Heu (Backenzähne) und frische Zweige (Nagezähne) viel geeigneter und gesünder. Früher wurde das Verfüttern von trockenem Brot empfohlen - heute weiß man, dass es der Darmflora schadet.
Wichtig ist, den Kaninchen erst frisches Heu zu geben und ein paar Stunden später Grünfutter und eventuell Trockenfutter. Sonst schlagen sie sich den Bauch sofort mit dem geliebten Grünzeug voll und das kann zu gefährlichen Verdauungsstörungen führen. Ebenso muss man Kaninchen ganz langsam an Grünfutter gewöhnen, wenn sie es bisher nicht bekommen haben (z.B. auch im Frühling zuerst nur wenig frisches Gras geben).

Immer wieder werde ich mit Meinungen konfrontiert, dass Züchter, Zoohändler und manchmal leider auch Tierärzte behaupten, Jungtiere dürften noch kein Obst und Gemüse bekommen, da sie sonst Durchfall bekämen. Das ist Unfug!
Das Problem gibt es nur dann, wenn Jungtiere nicht artgerecht aufgezogen werden und bis zum Verkauf nur Trockenfutter erhalten. Das wird in vielen (Massen-)Zuchten so gemacht, weil es billiger und einfacher ist. Werden die Tiere dann auch noch unsauber gehalten, sind sie garantiert mit Darmparasiten infiziert. Durch den Stress des Verkaufs etc. vermehren sich diese. Gibt man dann ungewohntes Futter - gibt es natürlich schnell Durchfall! Das liegt aber nicht am Obst und Gemüse, sondern daran, dass die Tiere es nicht gewohnt sind und/oder mit Darmparasiten infiziert.
Solche Tiere muss man langsam an gesunde Kost gewöhnen und die Erkrankung behandeln lassen!
Zieht man selbst Jungtiere auf, so ist es selbstverständlich sinnvoll, diese von Anfang an gesund zu ernähren. Apfel und Möhre wird IMMER vertragen, erstmal auch mit kleinen Mengen beginnen.
Wenn es trotzdem zu Durchfall kommt, so muss man gegen den etwas tun - meist sind Kokzidien schuld, gegen die der Tierarzt etwas unternehmen muss. Einfach nur kein Obst und Gemüse mehr zu füttern, verschiebt das vorhandene Problem nur - es löst es nicht!
Meine Zöglinge erhalten stets Apfel und Möhre, sobald sie feste Nahrung aufnehmen. Das hat sich bestens bewährt.


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So wird ein Kaninchenbaby gefüttert: in leichter Rückenlage und mittels einer Spritze. Empfehlenswert ist es, ein Stück Küchenkrepp dem Baby unters Kinn zu klemmen, denn gerade anfangs wird viel gekleckert.

Im Wasserbad kann man die angemischte Milch längere Zeit warm halten, dabei jedoch immer wieder überprüfen, ob sie nicht zu heiß oder zu kalt geworden ist.

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Probleme, die auftreten können:

Blähbauch: tritt leider häufig auf, aber man kann mit einer täglichen Gabe von 0,5 ml "Sab Simplex" (Apotheke) in die Milchmischung vorbeugen. Wenn es doch passiert, kann man die Gabe auf 1 ml aller 2 Stunden erhöhen - dann pur verabreichen. Dazu den Bauch kräftiger massieren! Leider kommt es dennoch oft zu Kreislaufversagen, das tödlich endet. Man kann hier noch versuchen, das Tier mit 4 Tropfen dünnem Kaffee zu stärken.
„Sab Simplex" ist ein sehr gutes Mittel, das man bedenkenlos auch vorbeugend einsetzen kann. Da seine Wirkung rein mechanisch ist, treten keine Nebenwirkungen auf.

Baby will nicht trinken: Immer weiter mit sanfter Gewalt versuchen, wenigstens ein paar Tropfen Milch ins Tier zu bekommen. Oft wehren sie sich gegen den ungewohnten Geschmack und müssen sich erst daran gewöhnen. Man spritzt einen einzigen Tropfen ins Mäulchen und wartet bis das Baby geschluckt hat. Dann den nächsten Tropfen usw. Dadurch dauert die Fütterung sehr lange (Milch warmhalten), aber es bleibt nichts anderes übrig.
Ich erlebe leider immer wieder, dass Babys sterben, weil die Leute zu zögerlich gefüttert haben. Oft heißt es dann "wir wollen das Kleine nicht zwingen". Klingt zwar freundlich, verursacht aber letztlich einen jämmerlichen Tod des Tieres! Will man das Leben des Tieres retten, bedeutet das manchmal auch einen gewissen Zwang, z.B. den Kopf festzuhalten und immer weiter (mit kleinen Pausen zum Luft holen!) VORSICHTIG Milch einzuflößen. Es ist anfangs oft ein Kampf, aber nach ein bis drei Tagen ist das fast immer überstanden und das Tier trinkt freiwillig.
Auf keinen Fall darf man Babys hungern lassen, damit sie freiwillig trinken! Sie trocknen viel zu schnell aus, werden schlapp und können anschließend keine Nahrung mehr verdauen.
Es gibt keine exakten Angaben, wie viel ein Tier in welchem Alter trinken MUSS. Das ist von zu vielen Faktoren abhängig. Wichtig ist, dass das Tier regelmäßig (am besten fast täglich) ein bisschen zunimmt. Dazu sollte es täglich zur gleichen Zeit mit einer genauen Waage gewogen werden.

Das Baby nimmt nicht zu:
Das ist normal in den ersten Tagen, wenn sich das Kleine von seinem Schock erholt und sich an die Ersatznahrung gewöhnen muss. Nach spätestens 3 bis max. 4 Tagen sollte man aber eine Zunahme feststellen.
Wenn das nicht der Fall ist, dann überprüft bitte, ob ihr die empfohlene Nahrung verwendet und auch wirklich noch Kondensmilch zufügt und ob die Milch vielleicht etwas zu dünn angerührt wird (richtig ist 1 TL Pulver und ca. 2 TL Wasser oder Tee) - im Zweifelsfall ein bisschen ausprobieren.
Wenn das Baby Durchfall hat, kann es meist auch nicht richtig zunehmen - siehe unter „Durchfall". Möglich wäre auch ein Befall mit Würmern oder eine Erkrankung. Das muss ein Tierarzt abklären.

Durchfall:
Entsteht manchmal durch die Nahrungsumstellung und läßt meist nach 1-2 Tagen nach. Keinesfalls sollte man die Nahrung umstellen, da sich das Tier so überhaupt nicht an eine Ersatznahrung gewöhnen kann.
Einzige Ausnahme ist es, wenn das Baby bisher falsch ernährt wurde, z.B. mit normaler Kuhmilch. Dann muß man umstellen.
Man muß darauf achten, die einmal gegebene Mischung beizubehalten und Änderungen (wie Beimischung von Karottenbrei) langsam vor zu nehmen.
Zusätzlich kann man die Milchmischung mit dünnem schwarzen Tee aus dem zweiten Aufguss (also Teebeutel zweimal verwenden) anrühren.
Ursache für Durchfall können jedoch auch Darmparasiten sein (Kokzidien sind häufige Verursacher). Das kann jeder gute Tierarzt klären und ein entsprechendes Mittel verschreiben. Wenn der Durchfall länger als 2 Tage anhält oder sehr flüssig ist oder das Tier apathisch wirkt, muss unbedingt ein Tierarzt aufgesucht werden!

Verstopfung:
Setzt ein Tier über zwei Tage keinen Kot ab, ist das ein Zeichen, dass eine Verstopfung vorliegen könnte. Abhilfe kann die Gabe von Parafinöl schaffen. Man gibt alle 2h ein paar Tropfen (1 - 10 Tage) bis zu 0,5 - 1ml (bei älteren Jungtieren). Bis zum nächsten Tag sollte dann ein Kotabsatz erfolgen.
Man kann auch Olivenöl nehmen, dessen Wirkung allerdings schwächer ist.
Ist das Tier aber apathisch, schlapp, trinkt nicht, schnappt nach Luft, atmet schneller etc - BITTE GANZ SCHNELL EINEN TIERARZT AUFSUCHEN!

Krämpfe:
Beim Füttern kann es zu Krämpfen kommen. Die Tiere sperren dann den Mund weit auf und oft wird auch der Körper steif. Das kann durch Verschlucken von Milch ausgelöst werden. Gerade bei sehr kleinen Tieren ist es für unerfahrene Pfleger oft schwierig zu dosieren, besonders wenn z.B. Liebesperlen-Flaschen verwendet werden. Mit 1ml-Spritzen kann man vorsichtiger dosieren.
Während eines Krampfes darf man auf keinen Fall weiter Milch eingeben! Man muss eine Pause machen und beruhigend auf das Tier einwirken. Mehr kann man erstmal nicht tun. Wenn das Tier sich wieder normal verhält, kann das Füttern VORSICHTIG fortgesetzt werden.
Wenn Milch in die Lunge gerät, führt das meist zu einer Lungenentzündung. Bei Verdacht darauf sollte ein Tierarzt regelmäßig die Lunge abhören, damit im Bedarfsfall sofort ein Antibiotikum gegeben werden kann. Die so genannte Schluckpneumonie ist leider eine der häufigsten Todesursachen bei Handaufzuchten.

Aber es gibt auch immer wieder mal Fälle, in denen Babys krampfen, OHNE sich verschluckt zu haben. Diese Krämpfe dauern kurz an und danach kann das Tier normal weiter trinken. Man muss nur vorsichtig füttern, so dass man nicht aus Versehen Milch eingibt, wenn gerade ein Krampf beginnt. Solche Tiere können völlig normal aufwachsen und es gibt keine Krämpfe mehr, wenn sie allein essen. Wodurch sie ausgelöst werden und warum, konnte mir noch niemand beantworten. Es war bisher auch für alle befragten Tierärzte ein Rätsel.

Krankheiten und Verletzungen:
Ebenso muss bei Krankheitsanzeichen und Verletzungen ein Tierarzt aufgesucht werden! Und das sehr schnell, denn bei Babys kann alles ein Notfall sein! Leider kennen sich nicht alle Tierärzte mit kleinen Tieren aus, manche lehnen sogar die Behandlung von Wildtieren ab. Ich weiß, dass es manchmal ein Problem ist, einen guten Tierarzt zu finden...
Dennoch kann ich keine Ferndiagnosen per Mail stellen und ein geeignetes Medikament bekommt ihr so auch nicht. Bitte hört euch am besten frühzeitig bei anderen Tierhaltern nach einem geeigneten Tierarzt um.
Es gibt überall Notdienste, die auch abends, nachts und am Wochenende Dienst tun.

Parasiten: Besonders Wildkaninchen können mit kleinen Plagegeistern wie Flöhen und Milben befallen sein. Sie sind aber kein Grund zur Panik! Man sollte die Kleinen natürlich vorerst von den Hauskaninchen fernhalten, für Menschen und andere Tiere wie Hund und Katze besteht keine Gefahr. Die Flöhe gehen allenfalls "probeweise" auf einen anderen Wirt, vertragen das andere Blut aber nicht.
Jeder gute Tierarzt kann schnell Abhilfe schaffen und im Notfall kann man sich (bis ein Tierarzt erreichbar ist) auch mit Flohpuder aus der Apotheke behelfen (z.B. soll "Bolfo" ganz gut sein). Bitte beachtet: Flohpuder ist kein gleichwertiger Ersatz für die Präparate, über die nur der Tierarzt verfügt - lediglich ein Notbehelf.

Die Unterbringung:

Zur Unterbringung der Kleinen benutze ich meist eine kleine Plastikschale (ca. A4-Größe) und baue darin ein Nest aus Handtüchern oder Fleecedecken. Diese Schale kann ich dann in der Tasche mit zur Arbeit nehmen sowie in einen Käfig stellen. So haben die Babies immer ihr gewohntes Nest zur Verfügung. Gut sind auch diese neuen Transportboxen in Körbchenform, allerdings können die Kleinen sie nicht allein verlassen.
Statt Handtüchern kann man auch Einstreu und Heu benutzen, aber ich finde es so hygienischer. Einstreu gebe ich erst im "Krabbelalter" mit in den Käfig.

ACHTUNG!
Niemals Hamsterwatte oder gar Kosmetikwatte als Nestersatz verwenden! Es passiert immer wieder, dass Babys wie auch ältere Tiere sich Arme und Beine damit abschnüren.
Ebenso kann ein Essen der Watte für die Tiere den Tod bedeuten.
Bitte auch keine Watte nehmen, die mit vollverdaulich o.ä. beworben wird! Wenn die Jungtiere das essen, kann es schwere Verdauungsstörungen verursachen.

Die Babies immer gleichmäßig warm halten! Aber "handwarm", also nicht kochen...
- Wärmeflaschen sind gut geeignet, wenn sie regelmäßig überprüft werden. Entweder öfters das Wasser erneuern oder heißes Wasser nehmen und durch Lagen von Handtüchern die Wärme regulieren. Wenn man die Hand auflegt, sollte es sich angenehm warm anfühlen.
Auch unterwegs sind sie sehr praktisch: wenn man in einer Thermoskanne heißes Wasser mitnimmt (das man gleichzeitig auch zum Anrühren des Breies nehmen kann), schadet den Kleinen auch eine längere Abwesenheit von zu Hause nicht.

- Rotlichtlampen eher im Notfall oder bei Erkältungen einsetzen, da sie auf Dauer austrocknend wirken und vor allem zu heiß werden können.
- Kirschkernkissen sind ebenfalls gut geeignet. Moorwärmeflaschen sollen die besten sein, aber habe ich selbst noch nicht ausprobiert.
- Aber das allerbeste ist immer noch die eigene Körperwärme! Stets die richtige Temperatur und zusätzlich tut den kleinen Tieren der Körperkontakt einfach gut.

Achtung! Die Kleinen müssen unbedingt warm (handwarm - nicht überhitzen!) gehalten werden, bis sie das Nest verlassen und herum hoppeln (dann reicht Zimmertemperatur - aber nicht im Winter nach draußen setzen!).

Vor allem habe ich die Kleinen so oft es geht bei mir. Nachts schlafen sie grundsätzlich bei mir im Bett, was sicherlich nicht für jeden zu empfehlen ist, aber ich werde beim kleinsten Pieps wach und merke sofort, wenn etwas nicht stimmt. (Und wenig Schlaf bekommt man als Ersatzmutter sowieso!) Tagsüber trage ich sie nach Möglichkeit öfters als "Känguruh-Kinder" mit mir herum - entweder nehme ich einen Pullover mit geeigneten Taschen oder ich stecke ein Shirt mit einer Sicherheitsnadel so hoch, dass ein Beutel entsteht.
Alle meine Kinder liebten es, so herumgetragen zu werden und schlummerten sehr friedlich. Allerdings kann es passieren, dass manche Babies dann gar nicht mehr allein in ihrem Nest schlafen wollen... Sicher ist es für gesellige Tiere aber auch schwierig, wenn sie plötzlich allein sind.
Einzelkinder können zu richtigen Kletten werden und da man in der Regel auch mal etwas ohne das Baby zu erledigen hat, kann es helfen, z.B. ein getragenes T-Shirt oder ein Plüschtier zum Kuscheln mit in den Käfig zu tun. Es wird dem Kaninchen zwar nicht gefallen, allein im Käfig zu bleiben, aber es wird dadurch auch keinen Schaden nehmen - wenn man sich ansonsten viel mit dem Tier beschäftigt.

Impfungen:

Ungefähr mit 8 Wochen sollten Kaninchen das erste Mal geimpft werden. Zu empfehlen sind die Impfungen gegen Myxomatose und RHD, die gleichzeitig erfolgen können, sowie eine Impfung gegen Kaninchenschnupfen, die im Abstand von 14 Tagen zu den beiden anderen erfolgen sollte. Den genauen Impfplan muss man mit dem Tierarzt besprechen.
Ich persönlich halte die Impfung gegen Kaninchenschnupfen für sehr wichtig, da viele Kaninchen diese Erreger übertragen können ohne selbst akut erkrankt zu sein. Besonders in großen Zucht- und Mastbeständen sind die Erreger verbreitet. Fragt euren Tierarzt danach, wenn er diese Impfung nicht selbst vorschlägt - ein wirksamer Impfstoff steht noch nicht allzu lange zur Verfügung.

Die weitere Unterbringung:

Die optimale Unterbringung für alle Kaninchen (ob nun Zwerge, Stallkaninchen oder nicht ausgewilderte Wildkaninchen) ist ein großes Freigehege mit Platz zum Graben und Verstecken sowie einer winterfesten, wärmegedämmten Schutzhütte.
Natürlich hat dazu nicht jeder die Möglichkeit. Aber auch in der Wohnung oder auf dem Balkon kann man es den Tieren gemütlich einrichten.
Vor allem sollte keines dieser sozialen Tiere allein oder mit einem Meerschweinchen sein Leben fristen müssen! Wer einmal zwei kuschelnde Kaninchen gesehen hat, der wird nicht mehr glauben, dass sie auch einzeln glücklich sind und der Mensch (oder das Meerschwein) diesen Kontakt zu Artgenossen ersetzen kann.
Am besten harmonieren Kombinationen aus Häsin und kastriertem Rammler. In großen Gehegen kann man sehr gut mehrere Häsinen und mehrere Rammler halten. Hat man zwei miteinander unverträgliche Häsinnen, kann es helfen, ihnen einen kastrierten Rammler dazu zu setzen. Bei zwei streitenden Rammlern muß man entweder trennen und jedem eine Häsin geben oder - mit ein bißchen Glück - kann man alle vier zusammen halten.
Diese Kombinationen entsprechen dem natürlichen Sozialverhalten von Kaninchen. Leider wird oft das Halten zweier gleichgeschlechtlicher Tiere empfohlen (vermutlich auch um die Kastrationskosten zu sparen), aber das funktioniert meist nicht auf Dauer.

Alle Kaninchen brauchen viel Platz und eine reine Käfig- oder Stallhaltung ist daher abzulehnen. Ich habe schon viele Tiere erlebt, die jahrelang in ihrem Käfig sitzen mußten und die nicht richtig hoppeln konnten, weil sie es nie durften! Gerade die Jungtiere müssen viel Bewegung haben, damit sich ihre Lungen und ihre Muskeln kräftigen. Eine anregungsreiche Umgebung fördert zudem ihre geistige Entwicklung und nicht zuletzt wird dem Halter schließlich auch der Umgang mit einem gesunden, kräftigen und aufgeweckten Tier mehr Freude bereiten!
Mit ein wenig Geschick kann man die Wohnung oder ein Zimmer kaninchengerecht einrichten und so den Aufenthalt im Käfig auf ein geringes Maß reduzieren. Nicht alle Kaninchen werden stubenrein (besonders bei Revierstreitigkeiten oder bei unkastrierten Rammlern gehört Markieren zum normalen Verhalten), aber die meisten suchen für ihre "Geschäftchen" den Käfig oder eine Schale mit Katzenstreu auf.



Ausführliche Hinweise zur Haltung und Vergesellschaftung von Kaninchen findet ihr auf meiner Seite "Tipps und Tricks zur Haltung von Kaninchen".

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Für alle, die ihren Kaninchen ein optimales Zuhause bieten wollen, empfehle ich folgendes Buch:

Ruth Morgenegg
"Artgerechte Haltung - ein Grundrecht auch für (Zwerg-)Kaninchen"

Außer Anleitungen zum Freigehegebau finden sich dort auch Tipps zur Vergesellschaftung und Fütterung
- das beste und fachlich fundierteste Buch, das es z.Z. über Kaninchen gibt!
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Wenn ihr das Tier nicht selbst aufziehen könnt/wollt oder sonstige Fragen wegen eines gefundenen Tieres habt - bitte hier klicken
"Tier gefunden - was nun?"
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